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Ich sah Dich, Deutschland und dachte „This is it“

8. März 2010

Heute war kein guter Tag für mich und Deutschland. Für Deutschland an sich scheint kein Tag ein guter Tag zu sein, für mich ist jeder Tag ein guter. Doch unsere Beziehung, Deutschlands und meine Beziehung, hat der heutige Tag nicht vorangebracht.

Heute morgen fuhr ich wie jeden Morgen auf der A3 durch das Ruhrgebiet. Eigentlich standen die Vorzeichen gut, kein Stau, nur stockender Verkehr, kein Regen oder Schnee, nur Kälte. Dennoch, als ich heute morgen die Sonne über die Schlote entlang der Autobahn aufsteigen und die Autobahn in schimmerndes Gold verwandeln sah, da dachte ich „Es ist gut so. Das ist Deutschland and this is it.“

Was ich an Deutschland am meisten liebe, sind seine lauen Sommerabende, wenn sich die Sonne golden über abgemähte Felder senkt und spätnachmittags das Gras noch grüner werden lässt. Nur in Deutschland und nur im Sommer habe ich jemals eine solche Schönheit gesehen.

Heute morgen sah ich die Autobahn golden glänzen und etwas schien mir fast in der Brust zu zerspringen. Das war es, was ich so lange sehen wollte. Doch es war kein abgemähtes Stoppelfeld, sondern der graue Asphalt der Autobahn, der schimmerte. Es war schön, und dennoch fühlte ich mich betrogen. Dies war mein Deutschland, in das ich zurückkehren wollte. Doch ich wurde getäuscht und hatte das Gras der frischen Wiesen gegen graue Betonlandschaften eingetauscht.

Lange habe ich in einem Land der Betonwiesen voller Wintergrün gelebt. Dafür hätte ich nicht zurückkommen müssen. Auch goldüberzogen bleibt Beton Beton. Heute wurde meine Liebe zu Deutschland auf einen Prüfstand gestellt und ich weiss noch nicht, ob sie bestanden hat.

Neueste Entdeckung: Ein Vorteil von SB-Kassen. Der einzige bis jetzt.

17. Februar 2010

Ich gebe zu, egal, wo ich lebe, habe ich das selbe Problem: ich sammle zu viel Kleingeld an und gebe lieber Scheine als Münzen aus, da Münzen aus dem dunklen Geldbeutel sammeln zu lange dauert. Es ist mir peinlich, wenn ich an der Kasse stehe und den exakten Betrag in Münzen zusammensuche. Der Nachteil dieser Schlangenphobie ist natürlich das kontinuierliche Ansammeln von Kleinstmünzen.

Von Zeit zu Zeit schütte ich diese Münzen in ein Gefäss und spare so etwas Geld zusammen – heute habe ich jedoch eine schnellere Abhilfe für mein Problem gefunden: SB-Kassen.

Das ganze geht natürlich nur, wenn keine Schlange vor den SB-Kassen ist, doch der SB-Kassenautomat nimmt alle Münzen, inklusive ein Cent-Stücken. Gut, dass heute niemand hinter mir stand, ich habe nämlich 3,98€ mit Kleinstmünzen bezahlt …

Warum …

17. Februar 2010

bin ich zurückgekommen?

Erinnert sich jemand für mich, ich habe es nämlich vergessen.

Warum nur wollte ich unbedingt zurück?

Was lange währt, wird endlich gut – die Kisten sind da!

7. Februar 2010

Zwei Monate über die Weltmeere waren Sie unterwegs, nun sind sie da. Ein dickes Lob an den Postmann, der auch nach 25 Kisten mit bis zu 15 kg noch nett und freundlich sein konnte!

Die Überquerung mehrere Staatsgrenzen und die beschwerliche Reise ist den Kisten allerdins deutlich anzusehen … siehe unten.

Vorher

Nachher

Ein reales Einkaufserlebnis – oder wie man keinen Service als etwas Besonderes verkaufen kann

31. Januar 2010

Zugegebenermaßen: wenn man nichts anderes gewohnt ist, stößt man sich selten an gewissen Dingen. Vor meiner Zeit im Ausland wäre es mir wahrscheinlich nicht aufgefallen, doch vor ein paar Tagen stieß ich auf ein Beispiel für die Servicewüste Deutschland, wie es deutlicher nicht sein kann.

Zusammen mit Kollegen ging ich mittags in einen Supermarkt um die Ecke – einen „real“. Der Einkauf verlief ohne Probleme, ich war sogar über die Größe und das Sortiment positiv überrascht. Bis ich zur Kasse kam und zahlen wollte. Meine Kollegen reihten sich vor etwas ein, was sich „SB-Kasse“ für kleine Einkaufsmengen nannte. Zunächst sah ich nicht viel, doch je näher mich die Schlange an den von den übrigen Kassen abgetrennten Bereich brachte, desto mehr konnte ich erkennen. Vier Theken waren parallel angeordnet, je zwei nebeneinander und zwei gegenüber.

Die Kunden vor mir stellen ihren Einkaufskorb auf eine Ablage. Dann zogen Sie jedes Teil über einen Scanner. Die gescannten Waren durften Sie danach selbst in Tüten packen, die links neben dem Scanner hingen. Dort wurden die Waren noch einmal gewogen und nicht selten stellte die Kasse – ob nun fälschlicher- oder richtigerweise, kann ich nicht beurteilen – fest, dass das Gewicht der Waren nicht dem der eingescannten oder ausgewählten entsprach. Wenn dieser Fall eintrat, ging ein Alarmlicht inklusive Alarmton an der jeweiligen Kasse los, woraufhin eine real-Angestellte kam, ihre Karte über den Scanner zog und daraufhin die Waren kontrollierte. Zu guter letzt kam dann das Zahlen. Wie im Parkhaus musste man das Geld in Schlitze stecken und bekam sein Rückgeld.

Ich zog natürlich den Zorn jener Verkäuferin auf mich. Erstens wusste ich nicht, wie man scannt. Dann musste ich Brötchen auswählen, deren Gewicht natürlich nicht stimmte. Das verstimmte die Verkäuferin ihrerseits, die vor lauter Ärger vergaß, zwei statt nur ein Brötchen abzurechnen. Zum Schluß letzt reizte ich sie unfreiwillig zur Weißglut, weil ich Waren für 3 Euro mit der EC-Karte zahlen wollte. Meine Tüten wurden mir danach mehr oder weniger hinterhergeworfen.

Ein spannendes Erlebnis, von dem ich mir nie in meinen wilden Träumen hätte ausmalen können, dass ich es je haben würde. Als ich mit meinen Kollegen darüber sprach, stieß ich auf Unverständnis, man versuchte mir zu erklären, dass SB-Kassen doch wesentlich schneller seien und Bedienfehler meine Schuld seien.

Nun frage ich: Wenn ich in einen Laden gehe und vorhabe, mein sauer verdientes Geld in Waren umzutauschen – jedoch gleichzeitig die Wahl habe, in andere Läden zu gehen und mein Geld dort zu lassen – darf ich wirklich keinen, aber wirklich keinen Service erwarten?

Bis jetzt hatte ich immer gedacht, dass es in Deutschland wenig bis keinen Service gibt. Doch was mich bei real erwartet hat, war Minus-, oder Unter-Service – muss ich wirklich auch selbst arbeiten, wenn ich mein Geld dort lasse?! Dann kann ich mir das nächste Mal in einem Lokal nicht nur mein Getränk selbst holen, sondern am Ende auch noch gleich das Glas spülen.

Vielleicht sollte in deutschen Schulen öfter „Tom Sawyer“ von Mark Twain gelesen werden. Ließ dort Huckleberry Finn nicht Kinder aus der Nachbarschaft seine Arbeit machen und verlangte noch Geld dafür?

Mein Vorschlag an alle Unternehmen, die SB-Kassen installiert haben: Nennen Sie sie doch einfach „Erlebnis-Kassen“. Dadurch nehmen Sie der Anlage das Gefühl, man müsse etwas tun und geben dem Kunden die Genugtuung, etwas erleben und sich betätigen zu dürfen. Vielleicht könnten Sie auch noch einen Hindernisparcour einbauen und dem schnellsten Scanner, entschuldigen Sie, Kunden, einen Preis verleihen. Und das würde der Kunde dann wahrscheinlich für einen prima Service halten.

1, 2, 3 – und wo ist die Null? Gibt es nicht.

15. Januar 2010

Derzeit erheitert mich fast täglich eine Begebenheit, aus der ich anscheinend nicht nicht lernen kann – es erinnert mich ein wenig an „Täglich grüßt das Murmeltier“.
Ich betrete den Aufzug. Drücke auf den Knopf mit der „1″, fahre in das gewünschte Stockwerk und steige aus. Blöd nur, dass ich in das Erdgeschoss wollte.

Warum fangen die Deutschen nur mit einem „0″ Stockwerk, dem Erdgeschoss  beim Zählen an?

Das selbe passiert mir auch übrigens auf dem Weg nach oben. Ich denke, die drei Stockwerke in den dritten Stock kann ich laufen. Dabei sind es vier und ich wundere mich jedesmal, wenn ich nach zwei Stockwerken vor der falschen Tür stehe …

Auch Zählen will gelernt sein.

Wo ist Eduard Zimmermann? Bitte melden.

13. Januar 2010

Gerade schaue ich „Aktenzeichen XY ungelöst“ und kann meinen Augen nicht trauen. 5 Jahre aus Deutschland weg und Eduard wurde gegen einen pseudoergrauten Beau ersetzt, der sich auch noch verspricht. So eine Art Andreas Türk in ernst.

Schon die ganze Titelanimation war anders, ebenfalls pseudo. Pseudo-CSI. Gähn. Der alte Vorspann in orange-weiß war doch viel besser. Und seit wann sind die Episoden so lang und tragisch? Damals, damals mit dem guten alten Eduard musste man nicht zusehen, wie das arme Opfer sich unter dem Tisch verkriecht und 5 Minuten lang weint. Es scheint, als wäre auch das ganze Konzept etwas verändert werden, hin zu Rosamunde Pilcher, weg von harten Fakten.

Nun, wenn es hilft, Verbrecher zu fangen. Vielleicht braucht man heutzutage ja neue Wege und Mittel in der Verbrechensaufklärung. Trotzdem hätte ich heute lieber Eduard gesehen. Wir schalten nach München – Eduard, wo bist du?

Winke, winke für den gemeinen Busfahrer

13. Januar 2010

Ein Dutzend Menschen an einer Bushaltestelle, ich unter ihnen. Es ist dunkel und kalt. Ich stehe korrekt unter dem Bushaltestellenschild und sehe den Bus herannahen. Noch 100 Meter, 70 Meter … und mein Arm zuckt seitlich nach oben, im perfekten 75 Grad Winkel symbolisiert er dem Busfahrer, dass ich mitfahren möchte. Ich lächle, steige ein – und bekomme zu hören, dass Busse keine Taxis sind, die man herbeiwinken müsse. Busfahrer würden sehen, dass potentielle Kunden an der Haltestelle warten und in jedem Fall halten.

Halten Busfahrer in Deutschland IMMER? Auch, wenn man nicht nicht den Mitfahrwunsch per Handzeichen signalisiert?!

Die zwei Arten von IKEA-Kunden: Frauen und Kunden, die schnell wieder raus wollen (oder sollen?)

10. Januar 2010

Eine Wohnung hatte ich bereits vor meiner Rückkehr gefunden, doch Möbel besaß ich so gut wie keine mehr in Deutschland. Meine wenigen persönlichen Gegenstände füllten beim Einzug gerade mal zwei Autos – der Rest befindet sich zur Zeit noch auf dem Pazifik oder muss(te) neu gekauft weden.

Was bedeutete das für preisbewusste Wiederdeutsche? Ein Besuch bei IKEA war unabdingbar. IKEA, das Land der Köttbullar, Billies – und von ihren Frauen gestresster Männer. Besonders interessant zu betrachten, war der Herden-Nestbautrieb der deutschen Frauen, die ihre Männer von Besta zu Billy und von Jäll zu Jadochdasbrauchenwirdochwirklich ziehen und dabei nicht merken, wie sich vor lauter Drang nach Individualismus und Kreativität beides durch einen Besuch bei IKEA im Keim ersticken. Jeder von uns hat IKEA Stücke bei sich zu Hause, doch wer findet es besonders toll, eigene Wohnungseinrichtungen bei Freunden und Fremden wiederzusehen? Vielleicht fühlt man sich so sofort bei Fremden wie zuhause, doch mit der Individualität und stilvollenden Inneneinrichtung, die von IKEA-Weibchen doch lautstark vor anderen Kunden propagiert wird, hat das wohl wenig zu tun.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, IKEA würde dieses Verhalten durch den Einsatz von Pheromonen und anderen Hormonen in der Luft begünstigen. Bei meinem ersten IKEA-Besuch in Deutschland habe ich jedoch gemerkt, dass IKEA bereits versucht hat, Schnelldurchschleuss-Systeme zu installieren – leider mit mässigem Erfolg. Wahrscheinlich geht auch IKEA die Konversion von Besuchern zu kaufen Kunden – sprich Geld – zu langsam. Bei dem Andrang, den diese Filialen vor allem am Wochenende erleben, ist wohl jeder Quadratzentimeter Geld, der schnellstmöglichst in Umsatz umgewandelt werden sollte. Diskutierende Frauen, die stundenlang überlegen, ob sie nun das beige oder weiße Lundquist Sofa nehmen sollen, und ob der aufblasbare Laptop-Untersatz nun wirklich farblich dazupasst, sind ein Fehler im System und ein Problem, das man beseitigen sollte.

IKEA hat dazu klevere Schritte beschritten. Erst einmal sind nur drei Stunden parken kostenlos – die einfachste Methode, die allein jedoch noch nicht viel zu helfen scheint. Noch eine einfache Methode, um einkaufs- oder eher anseh- und diskutierwütigen Frauen den Einkauf zu verkürzen, sind nun Abkürzungen, die etwas stärker als früher beworben werden.

Eine weitere Möglichkeit, den Einkauf abzukürzen, ist es allerdings, sich bereits im Internet umzusehen und den Laden genau wissend, was man will, betreten. In der richtigen Abteilung kann man sich nämlich dann einem (Fach)verkäufer zuwenden, der einem dann alles gewünschte auf einem Zettel ausdruckt, den man dann einfach an der Kasse abgeben kann, daraufhin bezahlen muss und dann innerhalb von 10 Minuten die Waren an der Warenausgabe abholen kann. Ich gebe zu, dieses Verfahren mag nicht mit allen Möbeln und Artikeln funktionieren, es hat mir jedoch extrem geholfen, meinen Einkauf zur Hauptkampfzeit zu verkürzen.

Ich mag zwar eine Frau sein, doch das Verhalten von deutschen Frauen bei IKEA macht mir Angst. Warum muss man so aggressiv sein, wenn man Einrichtungsgegenstände kauft, die in bestimmt 25% aller bundesdeutschen Haushalte zu finden sind? Eine Frage, deren Antwort sich mir nicht direkt erschließt. Ich glaube, ich muss weiter Feldstudien betreiben, um das besser verstehen zu können.

Neues Jahr – Neues Leben

10. Januar 2010

Seit Ende Dezember bin ich nun endlich in Deutschland und stelle mich den neuen Herausforderungen. Herausforderungen, von denen es viele gibt und jeden Tag neue. Manche von ihnen erreichen selbst positivst betrachtet den Status von Problemen und erscheinen in manchen Momenten schier unlösbar. Von diesen Dingen möchte ich in den nächsten Posts mehr berichten.

Der Umzug verlief eigentlich glatter als gedacht. 30 Umzugskartons, mit der Post verschickt, weil das billiger als ein internationales Umzugsunternehmen war. Auf dem Seeweg dauert es nun natürlich noch rund einen Monat, bis sie ankommen. Ich bin gespannt, wie viele am Zoll hängen bleiben werden.
Eine Wohnungsübergabe, in dem der Vermieter alle Mängel mit einem „kein Problem, die Wohnung ist ja schon 10 Jahre alt“ quittierte. Auf seiner Insel gehen anscheinend nach höchstens 10 Jahren überall die Toilettenkästen und Rohre kaputt. Gut zu wissen.
Selbst der Flug verlief unspektakulär über Bangkok – wo ich mich wunderte, warum jeder die Freundlichkeit der Thailänder so schätzt. Davon habe ich jedenfalls am Flughafen nichts gemerkt.

Es folgte ein ruhiges, besinnliches Weihnachtsfest im Süden, eine Autoanmeldung, bei der ich über Feinstaubplaketten unterrichtet wurde – und eine Autofahrt von über 700 km, nachdem ich viereinhalb Jahre nicht mehr Auto gefahren bin.

Und dann ging es los: Der Einzug, die Einrichtung, die Anmeldung und all die Dinge, die das Leben interessant machen. Seid gespannt – und lest weiter.

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